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Startseite > Aktuelles > Aus den Fachbereichen > „Wenn Töne Geschichten erzählen“

„Wenn Töne Geschichten erzählen“

Stefan Nestler
21. April 2026
125
Jubiläumskonzert der Blaskapelle der FF Hötzdorf
Schon beim Betreten der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula der Grund- und Mittelschule wurde klar, dass dieser Abend etwas Besonderes werden würde. Eine gespannte Vorfreude lag in der Luft, wie kurz vor einem großen Wiedersehen. Das Jubiläumskonzert der Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Hötzdorf war kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern ein klingender Vorgeschmack auf das große Jubiläumsfest am 23. Mai 2026 – ein Abend, der Erinnerungen weckte, Gemeinschaft spürbar machte und zeigte, wie lebendig 50 Jahre Blasmusik sein können.
Mit herzlichen Worten begrüßte 1. Vorstand Alexander Lorenz die zahlreichen Gäste. Besonders stolz blickte er dabei auf den 16-köpfigen Nachwuchs der Kapelle. Die Bläserklasse Prag, die vor zwei Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule entstanden ist, wagte an diesem Abend ihren ersten großen Auftritt. Die Jungmusiker standen sichtbar aufgeregt auf der Bühne – und doch gesammelt und konzentriert. Ihr Spiel wirkte wie ein vorsichtiger, aber mutiger Schritt hinaus ins Licht. Man konnte hören, wie viel Fleiß, Übung und Zusammenhalt bereits in dieser jungen Gruppe stecken. Der warme Applaus war Anerkennung und Ansporn zugleich und machte deutlich, welche Fortschritte die Jungmusiker bereits machten.
Musikalisch eröffneten die Routiniers mit „Salemonia“ den Abend sie nahmen das Publikum mit auf eine Reise voller Bilder. Feierliche Klänge wechselten sich mit ruhigen, fast nachdenklichen Momenten ab, bevor sich die Musik wieder kraftvoll öffnete. Es war, als würde man durch verschiedene Landschaften wandern – mal erhaben, mal verträumt. Mit „Böhmisch gemütlich“ kehrte Herzlichkeit ein, fast wie ein musikalischer Stammtisch unter Freunden. „Santana in Concert“ ließ die Stimmung anschließend deutlich anziehen: Die Musik pulsierte, sie tanzte, sie füllte den Raum mit Energie und Lebensfreude und brachte Bewegung bis in die letzten Reihen.
Ein ganz besonderer, intimer Moment folgte, als Jeanette Stockbauer ihre Querflöte zur Seite legte und die Vorstandschaft mit einem außergewöhnlichen Jubiläumsgeschenk überraschte. In Reimform skizzierte sie ihre Gedanken zu einem Präsent, das Bestand haben sollte – nicht vergänglich wie eine Flasche Sekt oder eine Torte, sondern etwas, das auch über diesen Abend hinaus weiterklingt. Aus dieser Idee heraus wandte sie sich an Franz Xaver Tradler und Berthold Schick, die den Gedanken gerne aufgriffen und ihm schließlich musikalische Gestalt verliehen. So entstand das eigens für das Jubiläum komponierte Werk „Bayerwaldsterne“ – eine klangvolle Widmung, die Freundschaft, Verbundenheit und die gemeinsame Geschichte der Blaskapelle in Musik fasst und als bleibendes Geschenk weit über den Moment hinauswirkt.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war jenem Instrument gewidmet, das selten im Rampenlicht steht und doch das klangliche Fundament trägt: der Tuba. In „Unsere Tuba“ rückte sie eindrucksvoll in den Mittelpunkt und zeigte, wie viel Wärme, Tiefe und Persönlichkeit in ihrem Klang liegen. Sonor und erdend zugleich spannte sie den musikalischen Bogen, verlieh der Musik Halt und ließ dennoch Raum für feine Zwischentöne. Josef Lorenz ließ die Tuba mit großer Souveränität erzählen – mal kraftvoll, mal beinahe augenzwinkernd –, begleitet vom sicheren Spiel seines Sohnes Alex im Hintergrund. Mit „Billy’s Rockparty“ entlud sich schließlich pure Spielfreude: rhythmisch, energiegeladen und mitreißend, sodass die Begeisterung von der Bühne unmittelbar auf das Publikum übersprang.
Nach dem schwungvollen „Wolpertinger Marsch“, folgten die Ehrungen. Alexander Lorenz ließ in humorvollen Anekdoten Erinnerungen lebendig werden und zeigte, wie viele Geschichten sich hinter diesen Jahren verbergen.
Es folgten persönliche Wunschstücke der Gründungsmitglieder – Musik, die weit mehr war als nur Programm, denn jedes dieser Werke erzählte ein Stück Geschichte, geprägt von Erinnerungen, gemeinsamen Wegen und vielen Jahren gelebter Blasmusik. Mit „Ein halbes Jahrhundert“ ließ Josef Lorenz die vergangenen Jahrzehnte noch einmal aufleben. Die Melodie wirkte, wie ein musikalischer Blick zurück, der an erste Proben, an unzählige Auftritte und an viele Wegbegleiter erinnerte. Die „Burgenländer Jubiläumspolka“, gewünscht von Johann Baumann, brachte pure Lebensfreude auf die Bühne. Beschwingt, leicht und voller Bewegung feierte sie das Jetzt und das gemeinsame Musizieren. Mit „Wir Musikanten“, dem Wunsch von Alfons Praml, wurde der Zusammenhalt der Kapelle hörbar. Dieses Stück klang wie ein musikalisches Bekenntnis – zur Kameradschaft, zu vielen gemeinsamen Stunden und zur besonderen Verbindung. Den stärksten emotionalen Kontrast setzte „Moment for Morricone“. Das Wunschstück von Georg Baumann entführte das Publikum in eine andere Welt – in weite Landschaften, staubige Wege und bewegende Filmszenen. Die Musik wirkte wie ein stiller Erzähler, voller Sehnsucht und Tiefe. Vier Wunschstücke, so unterschiedlich wie die Menschen dahinter – und doch vereint durch eine gemeinsame Geschichte.
Ein weiterer besonderer Moment war Mozarts „Alla Turca“, das in einem eigens von Gottfried Wölfl für die Blaskapelle arrangierten Gewand erklang. Was viele nur vom Klavier kennen, wirkte hier frisch, lebendig und überraschend nah. Die bekannte Melodie hüpfte und tanzte förmlich durch den Raum, leichtfüßig und voller Spielfreude, als hätte sie genau auf diesen Abend gewartet. Das Arrangement verlieh dem Werk neue Farben, ohne seinen vertrauten Charakter zu verlieren – ein kleines Augenzwinkern aus der klassischen Welt, das beim Publikum sofort ankam. Mit dem Udo Jürgens Medley öffnete sich zum Ende hin noch einmal ein Fenster voller Erinnerungen. Die Melodien zogen durch den Saal wie vertraute Stimmen aus früheren Zeiten – Lieder, die an gemeinsame Abende erinnern, an Lebensstationen, an Menschen, die einen begleiten oder begleitet haben. Hier wurde nicht nur gehört, hier wurde gefühlt: Man sah leise mitwippende Schultern, ein Lächeln, das aus dem Inneren kam, Gedanken, die für einen Moment auf Reisen gingen.
Als der letzte Akkord verklungen war, hing die Musik noch greifbar im Raum, fast so, als wolle sie sich nicht verabschieden. Der Applaus setzte nicht sofort ein, sondern wuchs – warm, dankbar und anhaltend, wie ein kollektives Festhalten an diesem Augenblick. Mit den Zugaben „Berliner Luft“ und der eigens für das 50 jährige Jubiläum von Gottfried Wölfl komponierten „Jubiläumspolka“, die an diesem Abend uraufgeführt wurde, setzte die Blaskapelle einen Schlusspunkt, der zugleich leichtfüßig und tief verwurzelt war.
Helga Wiedenbein
Leistungsprüfung: Lena Winter, Klarinette (Silber), Michael Zechmann, Klarinette (Silber mit Auszeichnung), Johannes Kölbl, Klarinette (Bronze Plus), Johannes Denk, Trompete (Bronze Plus), Matthias Denk, Tenorhorn (Bronze Plus)
Musiker-Ehrungsnadel in Gold: Gründungsmitglieder Josef Lorenz, Johann Baumann, Alfons Praml, Georg Baumann für 50 Jahre und Gottfried Wölfl für 30 Jahre als Dirigent
Ehrengäste: Pfarrer Wolfgang Keller, Pfarrer i. R. Herbert Oberneder, stellvertretender Landrat Klaus Jeggle, 2. Bürgermeisterin Andrea Koller, Markträte, Ehrenbürgerin Helga Gahbauer, Altbürgermeister Fabian Friedrich, Moderator Otto Gottinger, Vizepräsident MON Roland Schuster, die Feuerwehrführung mit KBI Christian Schneider an der Spitze
Jeanette Stockbauer lässt den fließenden Klang der Sehnsucht in Ennio Morricones Musik aufleben
„Klangliches Fundament mit Charakter: Josef Lorenz entlockte der Tuba ihr volles Potenzial.“

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