Archiv: Jahr 2006


» Katastrophen-Alarm: Wettlauf mit der Zeit

Im Landkreis sind 230 Gebäude betroffen - 500 Helfer im Dauereinsatz - Amdramatischsten ist die Lage in Tiefenbach

von Stefan Dorner.

Tiefenbach. Das Zentrallager des Möbelhauses Hiendl in Fatting (Gemeinde Tiefenbach)hat sich als die schwierigste Mission für die Einsatzkräfte des PassauerKatastrophenschutz-Teams unter der Leitung von Kreisbrandrat Josef Ascherentpuppt. 23 000 Quadratmeter mussten von 60 Zentimeter Schnee befreitwerden. Das entspricht einer Fläche von drei Fußballplätzen. DieBelastungsgrenzen des Gebäudes waren erreicht. Weil gestern Nachmittagabermals starker Schneefall einsetzte, verschärfte sich die Lage weiter.»Es ist ein Wettlauf mit der Zeit«, stellte Ascher fest und verwies aufdie dramatische Situation im gesamten nördlichen und östlichen Landkreis.

Wie ernst die Lagewar, wurde auf der Pressekonferenz um 17. 30 Uhr in der direkt imHiendl-Gebäude errichteten Einsatzzentrale deutlich. Landrat Hanns Dorfnerberichtete »von 200 bis 230 Objekten im Landkreis, die gefährdet sind undum die man sich kümmern muss«. Insgesamt waren 500 Einsatzkräfte vonFeuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rotem Kreuz und der Freyunger Bundeswehrim Einsatz. Abends wurden die Wehren aus den vom Schnee nicht so sehrbetroffenen Orten im südlichen Landkreis nachalarmiert. Allein auf demAutobahnzubringer in Passau waren gegen 18 Uhr zehn Fahrzeuge mitBlaulicht unterwegs.


»Der Personenschutz geht vor«


Vor allem das Lager in Fatting und dieHiendl-Filiale in Fürstenstein stellten die Rettungskräfte vor großeHerausforderungen. »Man muss aber anmerken, dass für beide Objekte keineEinsturzgefahr besteht«, betonte Einsatzleiter Ascher. Sobald der Statikerdiese feststellt, dürfen sich keine Personen mehr auf dem Dach befinden.»In jedem Fall geht der Personenschutz vor«, fügte Landrat Dorfner an. Indem Gebäude selbst durften sich gestern nur die Hilfskräfte aufhalten. DasLager und der Abhol-markt waren geschlossen, die Zufahrtsstraße wargesperrt. Statiker Markus Schopper von Ingenieurbüro Hammerl aus Röhrnbachist seit Dienstagabend mit der Prüfung der Dachkonstruktion beauftragt.»Das Haus muss auf alle Fälle komplett vom Schnee befreit werden. Dabeiwird zuerst die Last von den Stahlbetonträgern genommen, damit dieSpannung nachlässt. Dann wird der Schnee dazwischen weggeschaufelt«,erklärte er.

Die 160 Hilfskräfte taten dies mit Schaufeln undSchubkarren, unterstützt von zwei Kränen, die große Container auf das 15Meter hohe Gebäude hoben. Diese wurden vollgeschaufelt, aber nicht auf demDach abgestellt. Bis gestern Abend um 17 Uhr war laut Schopper etwa einDrittel bis die Hälfte der Fläche vom Schnee befreit. Firmenchef KlausHiendl wollte sich zu der Lage in seinen zwei betroffenen Häusern nichtdetailliert äußern. »Ich glaube, die größte Gefahr ist gebannt. Ich möchtemich schon jetzt bei allen Helfern bedanken. « Neben den Einsatzkräftenwaren auch alle verfügbaren Firmen-Mitarbeiter an der Räumungsaktionbeteiligt.


Einsätze laufen
rund um die Uhr


Wegen der Wettervorhersagen mit weiteren Schneefällen in den nächstenTagen sah sich Dorfner in der Entscheidung bestätigt, »als ersterLandkreis Katastrophen-Alarm auszulösen. Ich bin froh, dass die Maßnahmenso schnell und unbürokratisch angelaufen sind«. Der letzteKatastrophenfall wegen Schnees liegt fast 27 Jahre zurück und datiert aufMärz 1979.

Die von Fatting aus koordinierten Einsätze im ganzen Landkreis liefendie ganze Nacht hindurch. Wie lange der Katastrophen-Alarm andauert,darüber soll heute entschieden werden. Einsatzleiter Ascher versprühte allerdings Zuversicht: »Wir werden den Kampf gewinnen.«