Archiv: Jahr 2006


» Photovoltaik: Dächer unter Strom sind neue Gefahren für Feuerwehren

Brennende Anlagen stehen noch unter Spannung - Größerer Sicherheitsabstand beim Löschen nötig

von Sibylle Neumeier.
Passau. Die weltweit größte Photovoltaik-Anlage ist vergangene Woche in Pocking eingeweiht worden. Knapp 2300 Anlagen verschiedener Größegibt es mittlerweile schon im Landkreis Passau. Giftige Dämpfe und unter Strom stehende Dächer stellen die Feuerwehren im Brandfall deshalb vorneue Herausforderungen.

Wenn die Kunststoffe brennen, wie sie in den Solarplatten enthalten sind, entstehe Zyanidgas,das zu Blausäure-Vergiftungen führen könne, hat Dr. Johann Paulik vor Feuerwehrlern erklärt und zu entsprechender Vorsicht beim Löschenbrennender Photovoltaik-Anlagen gemahnt.

Für Martin Neun, Umweltberater am Landratsamt, steht weniger die Rauchbelastung alsvielmehr die Gefahr durch den Strom im Vordergrund. Denn: »Giftiger Rauchentsteht auch, wenn Kunststoffe aus einer Wohnungseinrichtung brennen«,meint Neun. Die Feuerwehr müsse also bei jeglicher Rauchentwicklung mit Atemschutz vorrücken. ,»Wir wissen ja vorher nie, was genau verbrennt«,erklärt Kreisbrandrat Josef Ascher.

Größere Gefahren berge das Spannungsfeld, das die Solarmodule tagsüber erzeugen. »Das ist ja wie ein kleines Kraftwerk. Man kann ja die Anlagen nicht einfach ausschalten«,erklärt Ascher. Bei normalen Stromanlagen kann die Hauptstromversorgung meist gekappt werden, die Leitung zwischen den Solarmodulen und Wechselrichter der Photovoltaik-Anlage steht aber im Brandfall am Tag -weil ja die Sonne scheint oder es zumindest hell ist - weiter unter Spannung.

Mittlerweile speisen 2296 Anlagen ins Netz der EON ein, bestätigt Pressesprecher Maximilian Zängl. Das Spektrum reicht von der kleinen Anlage auf dem Dach des Privathauses bis zur weltweit größten Photovoltaik-Anlage, die vergangenen Donnerstag in Pocking offiziell eingeweiht worden ist. Die Höchstleistungdieser Anlage liegt laut Zängl bei knapp 45 000 Kilowatt.


»Biogas-Anlage ist
weitaus gefährlicher«


Die Feuerwehrler werden jetzt geschult, mit Info-Broschüren für die neuen Gefahren sensibel gemacht. »Der Sicherheitsabstand für unsere Leutemuss beim Löschen auf alle Fälle größer sein, wenn Solarmodule auf dem Dach sind«, betont Ascher. Denn das Wasser im Sprühstrahl ist zwar kein hervorragender Leiter, kann aber doch einen Stromschlag auslösen. »Eine brennende Biogas-Anlage ist weitaus gefährlicher«, schwächt der Kreisbrandrat allerdings ab. Er betont aber auch: Egal ob eine Anlage aufdem Dach ist oder nicht, die Feuerwehr löscht jeden Brand.

Einen Tipp hat der TÜV parat: Da die Feuerwehr in der Regel nicht weiß,ob sich auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage befindet, sollenHausbesitzer diese Information gut sichtbar an der Haus-Einspeisung hinterlassen. Mit diesem Wissen können die Retter die neuralgischen Punktemeiden. Oder, wenn es das Feuer zulässt, auch die Kabel möglichst nahe am Modul kappen.