Archiv: Jahr 2005


» Es können nicht mehr alle alles machen


Immer bestens informiert: Josef Ascher (stehend) arbeitet alsKreisbaumeister im Landratsamt. Für ihn ist es nur ein Katzensprung in die Alarm- und Einsatzzentrale, wo Herbert Wieninger die Einsätze koordiniert.
von Frank Limmer
Passau. Seit einem halben Jahr ist Josef Ascher als Kreisbrandrat für die Feuerwehren im Landkreis Passau zuständig. Er hat sich eingearbeitet, nun möchte er auch selbst Themen anpacken. Doch hat sein rühriger Vorgänger Franz Silbereisen überhaupt noch etwas übrig gelassen?
„Da bleibt genügend Arbeit“, sagt Ascher. So hat er sich vorgenommen, als Kreisbrandrat für seine Feuerwehren da zu sein, gemeinsam mit den Führungskräften, den Kreisbrandinspektoren und -meistern. „Wir machen das als Team.“ Ascher hat keine Probleme, Arbeiten zu delegieren. Was er unbedingt möchte: „Innerhalb der ersten zwei Jahre meiner Amtszeit alle Feuerwehren besuchen.“

In nächsten Jahren alle Wehren besuchen


„Franz Silbereisen hat die Feuerwehren im Landkreis strukturiert. Wir haben ein gutes Führungsteam, das ist in Ordnung“, sagt Ascher. Da gebe es nicht viel umzuarbeiten, die Arbeit soll in dieser Art weitergeführt werden, ob im Bereich Feuerwehr im Einsatz, bei der Unterstützung im Einsatz, bei der Ausbildung oder bei der Jugendarbeit.
Doch eine große Aufgabe hat sich schon herauskristallisiert. „Wir müssen unser Fahrzeugkonzept überarbeiten, weil sich die Förderrichtlinien geändert haben.“ Früher sei es leichter gewesen, von den Kommunen Zuschüsse für Anschaffungen zu bekommen. Trotzdem müssten die Aufgaben, die den Feuerwehren von den Kommunen übertragen worden sind, noch durchgeführt werden können.
Das bedeutet für Ascher, dass sich die Feuerwehren künftig etwas verändern werden. „Da hat nicht mehr jede Wehr alles, sondern es werden Schwerpunkte gesetzt.“ Die einen werden sich auf die Wasserförderung spezialisieren, die anderen auf technische Hilfeleistung oder auf Gefahrgut.
Das bedeutet aber auch, dass sich die Nachbarwehren untereinander aushelfen müssen. Und das ist Aschers nächster Schwerpunkt, an dem er arbeitet. Künftig sollen bei einem Alarm mehrere Wehren ausrücken mit kleinerer Mannschaft, wobei man sich gegenseitig mit den Geräten ergänzt. „Das wird auch einfacher werden als eine große Mannschaft zusammenzubekommen, weil die Leute nicht mehr so einfach von der Arbeit weg können.“
Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter für den Einsatz freistellen, sollen dafür herausgestellt werden. Wie, darüber denkt Ascher noch nach. Aber er weist auch darauf hin, welchen Vorteil ein Betrieb hat, der Feuerwehrkameraden beschäftigt. „Diese Männer haben ein ganz anderes Sicherheitsdenken.“
Der Gleichwellenfunk ist eingeführt, dafür hat Silbereisen gekämpft, doch die Zukunft lautet Digitalfunk. „Ob das so schnell kommen wird?“ Ascher ist da eher skeptisch. „Das wird ein riesiger finanzieller Kraftakt und niemand weiß genau, wie er finanziert werden soll.“ Es sei daran gedacht, dass der Bund ein Grundgerüst zur Verfügung stellt, an dem die Länder weiterbauen müssen. Wichtig ist für Ascher, dass die Feuerwehren mit dem Digitalfunk nicht schlechter gestellt werden als bisher.


Mit Digitalfunk könnte es noch etwas dauern


Nächste Baustelle: integrierte Leitstelle. „Wenn die kommt, ist das für die Feuerwehr eine Verschlechterung“, ist Ascher überzeugt. Denn die Alarm- und Einsatzzentrale, über die die Feuerwehren jetzt alarmiert werden, biete einen gewissen Standard, den die integrierte Leitstelle nicht erreichen könne. Sollte sie eingeführt werden, soll sie nicht von einer Hilfsorganisation betrieben werden, sondern von einer neutralen Stelle.
„Mir wäre am liebsten, wenn das der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung macht.“ Die Leitstelle wäre dann für die Einsätze in den Landkreisen Passau, Rottal-Inn und Freyung-Grafenau und der Stadt Passau zuständig. „Wenn die Pläne mit der Leitstelle verwirklicht werden, müssen wir Nachalarmierungsstellen bei den Feuerwehren draußen einrichten. Denn in der Leitstelle sitzen nicht mehr die Spezialisten wie jetzt in der Alarmzentrale.“


Psychologische Betreuung sehr wichtig


Ein Problem sieht Ascher auf die Feuerwehren zukommen, weil die „Führerscheinneulinge“ mit der Klasse B nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen fahren dürfen. „Da müssen wir gemeinsam mit den Kommunen, den Feuerwehrvereinen und den Wehrmännern und -frauen nach einer Lösung suchen.“ Denn die Leute seien nicht mehr ohne weiteres bereit, extra für die Feuerwehr den Lastwagenführerschein zu machen.
Ein Thema ist in letzter Zeit bei den Inspektorenversammlungen in den Vordergrund gerückt: die psychologische Betreuung der Männer im Einsatz. „Auch der härteste Mann wird ganz weich, wenn Verwandte betroffen sind, oder Kinder. Das sind schwere Erlebnisse, die man nicht so einfach verarbeiten kann.“ Natürlich ist Ascher klar, dass man keine eigene psychologische Beratung aufbauen kann. Aber seine Führungskräfte sollen erkennen, wo die Männer ihre Grenze haben, wann der Feuerwehrmann aus dem Gefahrenbereich, aus dem Nahbereich zurückgezogen werden muss.
Arbeit gibt es also genügend für Kreisbrandrat Josef Ascher. „Und ich möchte meine Arbeit gut machen. Schließlich möchte ich mich in fünfeinhalb Jahren wieder zur Wahl stellen.“