Archiv: Jahr 2005


» Feuerwehr löst Hilfswelle gegen Krebs aus

Bereits über 150 Freiwillige für Fahrt zu Typisierung am Sonntag gemeldet - Leukämie-Patient Haslbeck freut sich

Wenn’s brennt, pressiert’s: Schnell müssen die Wehrmänner von ihrer Arbeitsstelle zur Unglücksstelle. Das verlangt von ihren Arbeitgebern, dass sie hinter ihren Mitarbeitern stehen, die ehrenamtlich bei der Feuerwehr tätig sind. Um diese Thematik geht es auch in der Feuerwehr-Aktionswoche, die am heutigen Freitag beginnt.

vonBernhard Brunner.
Bad Griesbach. Eine Welle der Hilfsbereitschaft haben Kreisbrandinspektor Peter Högl und Reuterns Feuerwehr-Kommandant HelmutLex durch ihren Aufruf zum Kampf gegen Leukämie ausgelöst. Bereits über150 Freiwillige wollen am kommenden Sonntag in Landshut ihr Bluttypisieren lassen, um als mögliche Stammzellenspender Krebskranken zuhelfen.

Die Feuerwehren im Altlandkreis Griesbach hängen sich an eine entsprechende Aktion ihrer Kameraden in Landshut an, die für einen an Leukämieerkrankten Aktiven aus ihren Reihen einen geeigneten Spender von überlebensnotwendigen Stammzellen finden wollen. Als KBI Högl davon hörte,nahm er sofort mit den Verantwortlichen in der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Kontakt auf und bekam spontan die Zusage, mit Typisierungswilligen aus dem Unteren Rottal an der Veranstaltung teilnehmen zu dürfen. Zusammen mit dem Reuterner Feuerwehr-Kommandanten Helmut Lex - dessen Stellvertreter Christian Haslbeck wartet ebenfalls aufeine Stammzellenspende - startete Högl einen Aufruf und organisierte beider Bad Griesbacher Firma Altmannsberger vorab bereits einen Bus für dieFahrt nach Landshut. Das Echo war so enorm, dass sogar ein zweiter Bus vom Unternehmen Diendorfer in Schmidham geordert werden musste. »Wir habenschon 153 Anmeldungen«, teilte der Kreisbrandinspektor gestern hocherfreut mit.


Kostenlos zwei Busse


Über die beiden wohlgemerkt kostenlos zur Verfügung gestellten Reisebusse hinaus werden die Feuerwehren mehrere Mehrzweckfahrzeuge einsetzen, um alle Freiwilligen zur Blutentnahme in das Landshuter Feuerwehrzentrum zu bringen. Weitere Interessenten im spendenfähigen Alter von 18 bis 55 Jahren können sich auch nochkurzfristig bei Peter Högl (Tel. 0170/9225918) bzw. bei Helmut Lex (Tel.0171/4526289) melden. Treffpunkt zur Abfahrt in Reutern ist am Sonntag,16. Oktober, um 7. 45 Uhr bei der Feuerwehr am Schulhof, Start in Bad Griesbach wird um 8 Uhr am Parkplatz Nord sein.

Den Teilnehmern, die unbedingt ihren Personalausweismitnehmen müssen, versichern die beiden Initiatoren, dass so früh wie möglich nach der Typisierungsaktion - sie läuft von 10 bis 16 Uhr bei einem Tag der offenen Tür - die Heimfahrt angetreten wird. Vor Ort in Landshut gibt es Verpflegung zu kaufen, der Erlös daraus kommt wiederum dem Hilfsprojekt zur Aufnahme Spendenwilliger in die internationale Stammzellenspenderdatei zugute, wovon natürlich nicht nur die beiden betroffenen Feuerwehrmänner aus Landshut und Reutern profitieren können, sondern jeder Leukämie-Patient. Nach Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erkrankt alle 45 Minuten in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, betroffen sind auch viele Kinder und Jugendliche.


Spende von Kollege


Zur Finanzierung einer solchen Typisierungsaktionbedarf es zahlreicher Geldspenden. Ein Konto dafür besteht unter demKennwort »Selbsthilfegruppe Leukämie« bei der VR-Bank Rotthalmünster(Kontonummer 35 11 200 - Bankleitzahl 740 618 13). Finanzielle Hilfe kommt beispielsweise auch von der Belegschaft der Firma Kasberger Baustoffe in Passau, des Arbeitgebers von Christian Haslbeck. Rund 600 Euro sammelten die Kollegen, die Unternehmensleitung - sie hat dem im August 2004erkrankten 29-Jährigen die Sicherung seines Arbeitsplatzes auf Dauer versprochen - will diesen Betrag noch aufstocken. Weitere Spendenzusagen von Firmen und Geldinstituten aus der Region liegen vor.

Die gewaltige Resonanz auf den Hilfeaufruf freut Christian Haslbeck ganz besonders. »Das ist unglaublich«, bekundete er gestern gegenüber der PNP telefonisch vom Krankenbett im Klinikum Passau aus, das er über das Wochenende erstmals wieder verlassen darf, ehe in der kommenden Woche die Chemotherapie fortgesetzt wird. Der stellvertretende Feuerwehr-Kommandant von Reutern hofft natürlich, dass er ähnliches Glück hat wie ein gleichaltriger Leukämie-Patient aus einer Nachbargemeinde, dersich nach einer Stammzellenspende inzwischen auf dem Weg der Besserung befindet.

Wie die DKMS auf ihren Internet-Seiten erklärt, verläuft die Behandlung bei 40 bis 80 Prozent der stammzell-transplantierten Personen erfolgreich. Einen geeigneten Spender- am liebsten aus dem Kreis der Teilnehmer an der Typisierungsaktion am Sonntag in Landshut - zu finden, das wäre das schönste Geschenk für Christian Haslbeck zu seinem 30. Geburtstag an Heiligabend 2005.