Archiv: Jahr 2005


» Endgültig:Silbereisen zieht Uniform aus

FranzSilbereisen (61) quittiert nach 44 Jahren seinen Dienst - Viel geschafft -Jetzt kommt die Familie an die Reihe

von Karin Moos.
Sandbach. 44 Jahre lang hat sich Franz Silbereisen (61) in den Dienst der Feuerwehren gestellt. Jetzt ist Schluss. Er räumte seinen Feuerwehr-Chefsessel für seinen Nachfolger, den neuen Kreisbrandrat Josef Ascher. Mit der PNP sprach Silbereisen über seinen Werdegang - und was er sich für seine neu gewonnene Freizeit vorgenommen hat.


Einen Buben zieht's
zur Feuerwehr


Silbereisen hat das Datum nicht vergessen. »Am 6. Januar 1960 bin ich Mitglied der Feuerwehr Sandbach geworden«, sagt er. Damals war er 17. »Schuld« war sein Vater, auch der war aktiver Feuerwehrmann. Aber auch Baptist Kitzlinger, der frühere Landrat und Nachbar, habe es verstanden, junge Leute für den Dienst am Nächsten zu begeistern. Übrigens: Auf seine eigene Kinder hat der Fulltime-Job - Feuerwehrmann plus Beruf - eher abschreckend gewirkt: Weder die zwei Buben noch die Tochter - heute alle drei erwachsen - zog es zur Feuerwehr. »Das hat mir zwar manchmal weh getan, aber ich wollte sie auch nie dazu zwingen.«


Schritt für Schritt zur Führungsposition


1964 absolviert Silbereisen seinen ersten Lehrgang an der Feuerwehrschule Regensburg. 1979 und 1980 wird er vom damaligen Kreisbrandrat als Schiedsrichter bei überörtlichen Prüfungen eingesetzt. 1983 wird er Kreisbrandmeister für die Sandbacher und Vilshofener Wehr. Ein Jahr später steigt er auf zum Kreisbrandinspektor für den damaligen Inspektionsbereich III, »das war der Bereich Hutthurm, Salzweg, das Ilztal rüber bis Aldersbach und Beutelsbach«. 1986 tritt der Kreisbrandrat Franz Haas aus Altersgründen ab - er starb heuer 81-jährig, rund 1000 Trauergäste gaben ihm das letzte Geleit. Sein Nachfolger wird auf vielfachen Wunsch Franz Silbereisen. Bei seinen Kameraden wird er geschätzt, »auch wenn ich manchmal unbequeme Entscheidungen treffen musste und nicht immer jeder Wehr ihre Wünsche erfüllen konnte«, sagt er heute. Trotzdem: Silbereisen wird dreimal in Folge zum Kreisbrandrat gewählt - jedesmal ohne Gegenkandidaten.

Die Mitgliederzahl der 155 Landkreisfeuerwehren ist stetig gewachsen. Rund 8000 Männer und Frauen sind rund um die Uhr einsatzbereit. Stichwort Frauen: 1986 versahen gerade mal zwei Mädchen ihren Dienst in einer Jugendfeuerwehr, »heute haben wir 900 Mädchen und Frauen«, erzählt Silbereisen. Richtig losgegangen ist der Frauen-Boom in den 90er Jahren. Sein Resümee heute: »Die können genauso anpacken wie die Burschen, sind genauso belastbar, arbeiten zum Beispiel am Rettungsspreizer und sind Maschinistinnen.«


Stolz auf
die Jugendarbeit


Mit besonderem Stolz erfüllt ihn die Jugendarbeit und speziell die Ausbildung seiner Männer und Frauen. Gab es 1986 in gerade mal 35 Feuerwehren einen Jugendwart und 250 Jugendliche, sind es 2004 153 Jugendwarte und 1700 Jugendliche. Inzwischen haben rund 10 000 Jugendliche die Standortlehrgänge durchlaufen. »Der große Bonus: Die Kameraden sind jetzt so gut ausgebildet, dass bei jedem Einsatz jeder Handgriff sitzt.«

Auch die Ausrüstung hat sich in seinen 18 Jahren als Kreisbrandrat »erheblich verbessert«, betont Silbereisen. Er zählt an die 200Fahrzeugbeschaffungen und rund 130 Baumaßnahmen auf.

Ausrüstung gleich Aufrüstung? Manche Kritiker sehen in den Hightech-Maschinen der Feuerwehren nur Spielzeuge für erwachsene Kinder, einige Ortsfeuerwehren könne man sich auch schenken. Silbereisen kennt den Vorwurf des »Größenwahns«. »Aber wenn etwas passiert, sind wir halt zu jeder Tages- und Nachtzeit zu hundert Prozent einsatzbereit und technisch gerüstet«, hält er dagegen. Diese Kritik kann er nicht ernst nehmen, »schließlich profitiert im Notfall jeder einzelne Landkreisbewohner von uns«, sagt er.

»Jeder Unfall, bei dem jemand schwer verletzt wird oder stirbt, vor allem wenn es Kinder sind, ist schlimm. Daran kann man sich nicht gewöhnen«, sagt Silbereisen. In seine Zeit haben zwei Stürme Wälder verwüstet, bei zwei Schiffshavarien flossen mehrere tausend Liter Öl in die Donau, »ein schweres Busunglück auf der Autobahn hat uns stark gefordert«. Nicht zu vergessen die Hochwasser-Fluten und Großbrände. »Die Unglücke waren zahlreich, fragen sie mich nicht nach den einzelnen Daten.«


Wo blieb
das Private?


»Die Kinder wurden alle vor meiner Zeit als Kreisbrandrat gezeugt«, sagt er scherzend. Kein Wunder - denn seit er das Amt ausführte, kam er auf rund 600 Termine pro Jahr. Oft drei am Tag. »Einsätze sind da gar nicht mitgezählt«, sagt er. Zu viel wurde es dem Workaholic nicht: »Mich reut keine Stunde. Wenn ich drei Tage hintereinander abends nicht weg musste, hat mir was gefehlt.« In ein Loch werde er trotzdem nicht fallen. Die letzten Monate habe er gemerkt, dass seine Belastbarkeit abgenommen hat. Irgendwie fühlte er sich »abgenutzt, aber ausgebrannt würde ich mich nicht nennen«, sagt der Ex-Feuerwehrmann.


Und was
kommt jetzt?


Heuer im August beginnt für den Finanzbeamten die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit. Dann hängt er auch den Beruf an den Nagel. »Ich will mit meiner Frau wieder mal in den Urlaub fahren«, wünscht er sich. Vielleicht gräbt er auch ein Hobby aus seiner Jugend aus. Damals war er ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler. Im Sommer will er sich mehr bewegen, im Winter Skifahren. »Ich glaube nicht, dass mir so viel fehlen wird. Die Freunde, die ich bei der Feuerwehr habe, werden mich auch im Ruhestand begleiten.«