Archiv: Jahr 2002


» Üben unterrealistischen Bedingungen: Heiße Einsätze im Feuerdrachen

(von Doris Able)Brandübungs-Container steht vom 31.August bis 13. September in Passau - Bisher wollen ihn 1200 Atemschutzträgertesten

Bett und Schreibtisch mit Monitor brennen, von der Decke schießt ein Brandstrahl herunter – bei Temperaturen um die 500 Grad üben Feuerwehrler den Ernstfall. Im Brandübungs-Container„Fire Dragon“ (Feuerdrachen) können sie das vom 31. August bis 13.September unter realistischen Bedingungen tun. Trainingsziel ist es, die Überlebensfähigkeit zu erhöhen und gezieltes Handeln in heißen Brandsituationen unter Aufsicht zu üben.

„Die Feuerwehr ist dereinzige Bereich, in dem bei jedem Einsatz professionelles Handeln erwartet wird, dem man es aber nicht so ohne weiteres gestattet, das professionelle Handeln auch zu üben“, sagt Ludwig Kapfhammer, Stadtbrandmeister im Bereich Atemschutz, während Stadtbrandrat Dieter Schlegl zustimmend nickt. Die Zeiten, wo man ein Feuer machen konnte, um zu trainieren, seien aus Gründen des Umweltschutzes lange vorbei. Für Bayern gebe es allein in der Feuerwehrschule in Würzburg ein gas befeuertes Brandhaus, in dem man unter realistischen Bedingungen die Einsätze üben könne. Geplant ist zwar für die nächsten Jahre, dass in jedem Regierungsbezirk Brandcontainer stationiert werden. Doch darauf wollen die Feuerwehren nicht warten.

Umso mehr freuen sich Schleglund Kapfhammer, dass es nach monatelanger Wartezeit gelungen ist, den Übungs-Container zu mieten. „Die Resonanz ist überwältigend“, freut sich der Stadtbrandrat, der mit so großer Nachfrage nicht gerechnet hatte: 1200 Probanden haben sich gemeldet, alles Atemschutzträger aus dem Stadtgebiet, den Landkreisen Passau, Freyung/Grafenau, Rottal/Inn und dem Bezirk Ried.

Ein typischer Übungsdurchgang in der gas befeuerten Anlage besteht zunächst aus einer Ausdauerbelastung unter schwerem Atemschutz auf einer Endlosleiter und einem Ergometer-Fahrrad. Dies soll den Anmarsch zum Einsatzort simulieren. Anschließend rückt der Trupp über das begehbare Dach und über eine neun Meter lange Atemschutzübungsstrecke mit Gitterkäfigen im hinteren Bereich des Trailers zum Brandraum vor. Darin befinden sich drei Brandstellen - Bett, Schreibtisch mit Monitor sowie eine Flash-Over-Simulation unter der Decke -, die gelöscht werden können.

„Übungsziel ist es, den Geräteträgern unter Aufsicht die Grenzen aufzuzeigen, sie an die Wärme zu gewöhnen und die Schutzausrüstung und Einsatztechnik ausprobieren zu lassen“, erklärt Ludwig Kapfhammer. Kritische Situationen zu erkennen und richtig zureagieren - die eigenen Belastungsgrenzen einzuschätzen - sei gerade für junge Leute wichtig, zumal seit Jahren der größte Teil der Einsätze im Bereich der Technischen Hilfeleistungen, z.B. bei Unfällen oder Hochwasser-Einsätzen, liegt. Finanziert wird die teure Container-Miete übereine Teilnehmer-Gebühr. Die kostet pro Atemschutzträger 27 Euro, die über die jeweiligen Feuerwehr-Vereine, Städte oder Gemeinden finanziert werden.

Etwa zehn Minuten arbeiten die Feuerwehrler in der Löschgruppe im Container, allerdings erst nach einer Sicherheitsunterweisung und allgemeinen Hinweisen über das richtige Verhalten, die Löschtechniken und die Schutzwirkung der Kleidung. Eine offene Aussprache schließt sich an, erklärt Kapfhammer den Übungsablauf.
Auch jetzt sind, vor allem für die zweite Woche, noch Anmeldungen möglich bei Ludwig Kapfhammer, Tel. 0170/44 142 63. Die Termine sind zudem im Internet abrufbar unter www.ffpassau.de.